© 2009 Beobachtologin

Von einer nun nicht mehr fremden Frau im Freibad

Sonnenschein und über 30 °C, da ruft das von mir neu entdeckte Freibad. Es hat noch mehrere gerufen, Hindernisschwimmen war angesagt. Aus meinem entspannenden Mittagsausflug ist ein aufregender Trip geworden. Anstatt nun meine Arbeit fortzusetzen, sitze ich hier und schreibe mir meine Wut vom Leibe.

Kurz bevor ich schwimmen ging, fiel mir ein Kinderwagen auf, der vor dem Freibad in der Sonne stand mit einem Handtuch darüber, einem dicken Badehandtuch. Es war sehr heiß in der Sonne und ich dachte zuerst, da trocknet jemand sein Handtuch. Auf dem Land kann man einen dunkelbraunen Kinderwagen noch vor dem Schwimmbad stehen lassen, ohne dass er geklaut wird. Es ist viel zu heiß, dachte ich, da kann kein Kind drin liegen. Nach dem Schwimmen und Duschen, ca. 45 Min. später, kam ich retour, las noch ein wenig und sah dann, wie sich das Handtuch auf dem Kinderwagen bewegte. Mein erster Gedanke: Das kann doch nicht wahr sein, dass jemand so sein Kind abstellt!

Ein Paar in meiner Nähe unterhielt sich über das Freibadtor hinweg, er stand draußen, und ich fragte die beiden, ob er bitte dem Kind helfen könnte und ob sie die Eltern kennen. Es war kaum Regung bei ihm spürbar, so ging ich zur Terrasse des Cafés und rief in die Menge, ob hier die Eltern diese Kindes wären. Eine Frau, genüsslich an ihrer Zigarette ziehend, meinte ziemlich cool: „Das ist mein Kind!“ Von Handlung keine Spur. Ich sagte sehr verwundert, das stünde doch in der prallen Sonne und strample herum! Sie meinte, da würde das Kind immer stehen und es wäre erst seit einer Minute wach. Außerdem wäre doch ein Handtuch darüber und es bekäme so keine Sonne ab. Ich verstand die Welt nicht mehr und entgegnete, das wäre doch wie im Brutkasten, das Kind bekäme so keine Luft. Sie schaute nicht einmal in die Richtung ihres Kindes. Aber mind. 10 Leute blickten auf mich! Dann sah ich einen Mann am Kinderwagen, scheinbar ihr Vater. Wollte sie mir damit sagen, halte dich da raus? Hatte die Frau denn kein Gespür für Sonne und Hitze? Ich sprach die Frau des Paares an, welches sich am Tor unterhalten hatte. Ihr war es sehr unangenehm. Im Weggehen und mit weg gedrehtem Kopf meinte sie, ich würde mein Kind da nicht hinstellen. Ich hatte mich hier wohl in „Familienquerelen“ eingemischt, wo man sich als „wissender“ Ortsansässiger sonst besser raus hält. Die Leute auf der Terrasse unterhielten sich weiter und  zeigten mit dem Finger auf mich: „Da, die Frau hat sich auch schon aufgeregt“, hörte ich sie sagen … Der Rest meines Aufenthaltes war sehr unangenehm, die Mutter und ihr „Gefolge“ starrten ständig auf mich herab und beäugten mich sehr abwertend.

Beim Verlassen des Freibades begegnete ich dem angeblichen Großvater. Ich ging zu ihm und meinte: „Ich bin die Frau, über die gerade alle reden, ich bin sehr erschrocken, als sich er Kinderwagen bewegte und habe darauf aufmerksam gemacht und würde es das nächste Mal genauso wieder tun.“ Zu meiner Verwunderung meinte er, ich hätte gut reagiert. Es gibt eben verantwortungslose Menschen. Wie meinte er das wohl? Ist er es gewohnt, dass sich seine Tochter nicht um ihr Kind kümmert? Vielleicht traut sich ja keiner etwas zu ihr zu sagen.

Mich bewegte es sehr. Noch jetzt spüre ich den „Prass“ dieser Frau auf mich. Doch ich sage mir, ich war die Stimme des Kindes, das sich nicht wehren konnte. Warum hat diese Frau ein Kind, wenn sie es zum „Grillen“ in die Sonne stellt?

Analyse durch meinen Freund: Ich habe in ihre Autorität eingegriffen und habe sie bevormundet, was sie natürlich sehr störte. Da darf ich keine Dankbarkeit erwarten.

Verbesserungsvorschläge: Ich hätte besser reagieren können, ich habe mich zu arg gerechtfertigt und verteidigt, das spürte sie und fühlte sich bestätigt, dass das ihre Sache sei und niemanden etwas angehe. Ich hätte sie ja fragen können: „Ist das ihr Kind? Wenn ja, dann nicht mehr lange, es ist bald tot.“ Dann hätten die anderen auf sie geschaut und sie hätte reagieren müssen. Oder gleich zum Bademeister gehen, meinte meine Mutter.

Wieder etwas gelernt.


Einen Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird weder gespeichert noch veröffentlicht. Muss-Felder sind mit einem * markiert.

*
*

Du kannst diese HTML-Tags und -Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>